Ein Nachruf auf Usche Meuche

Trauer und Dankbarkeit

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Usche Meuche

 

Usche Grete Meuche

geb. Specht
* 1. Januar 1938 – † 8. September 2018

Ein Nachruf auf Usche Meuche

Wir Föhrer(innen), insbesondere wir Wyker(innen) müssen Abschied nehmen von einem Menschen, der unsere kleine Welt bereichert hat wie nur wenige Zeitgenossen. Denn Usche war ein Original im positivsten Sinne. Sie war einzigartig, manchmal sogar skurril, aber stets authentisch in allem, was sie tat und noch mehr in dem, was sie sagte. Und berichten, erzählen, gelegentlich auch schnacken, das konnte sie wahrlich wie kaum eine andere Wykerin. Die Quellen all dessen, was sie zu berichten hatte, waren ihr aufrichtiges Interesse an den Menschen und ihr phänomenales Gedächtnis. Umso entsetzlicher muss es für sie gewesen sein, dass gerade dieses Gedächtnis ihr in den letzten Monaten abhanden kam.

Sie hätte ihre Freude daran, „stickum“ zu lauschen, wenn künftige Stadtgeschichtenerzähler über die unvergessliche Usche Meuche berichten. Denn dieser Ehrenplatz unter den Wyker Originalen ist ihr sicher.

Usche ging stets mit wachen Augen und offenen Ohren und meistens mit einem unverwechselbaren Lächeln durch die Welt, besonders gern aber durch die Wyker Straßen. Sie lud geradezu ein zu einem kleinen Schnack.

Berührungsängste mit ihr gab es nicht, denn sie sandte stets Signale der Zuversicht und Hilfsbereitschaft aus. Gerade in ihrer Zeit als Kommunalpolitikerin wurde sie gern angesprochen von jenen Menschen, die ansonsten eine große Scheu davor hatten, auf Politiker oder andere „wichtige Leute“ zuzugehen. Bei Usche war man sich sicher, dass sie zuhörte und – wenn sie davon überzeugt war – auch anpackte und handelte. Und sie konnte wahrlich Hebel in Bewegung setzen und beharrlich ihre Ziele verfolgen. Sie war keine Politikerin der Konzepte oder der Denkfabriken, sondern der Zielverfolgung und des Anpackens. Sie ließ sich nicht abspeisen, sondern blieb so lange beharrlich (aber nicht stur), bis sie notfalls einsah, doch nachgeben zu müssen. Inhaltsarmes Schwadronieren ging ihr auf die Nerven, und das sagte sie dann auch.

Ihre Berufswahl sprach für sich: Sie war Krankenschwester von ganzem Herzen. Sie konnte einerseits beherzt zupacken, zugleich aber auch herzerfrischend lachen und besonders gut konnte sie eine herzliche Zuwendung schenken.

Ihr Unruhestand war denn auch geprägt von Tatendrang und gesellschaftlichem Einsatz. Sie rutschte nicht nur ahnungs-, sondern auch arglos in die Kommunalpolitik und wurde eine erfolgreiche und auch von politischen Gegnern hoch geschätzte Stadtvertreterin. Oft unkonventionell, aber stets zielstrebig setzte sie sich für die Belange gerade jener Menschen ein, die den Eindruck hatten, von anderen nicht beachtet zu werden.

Ihre zweite große Herzensangelegenheit der letzten beiden Jahrzehnte war der Sperrgutbasar, den sie gemeinsam mit Renate Sieck gründete und lange prägte. Zwar war das eigentliche Anliegen die Müllvermeidung, aber Usche und Renate mussten bald feststellen, dass sie dort auch eine eminent wichtige soziale Anlaufstelle waren. Wie oft hörten sie nun den Satz: „Ihr sitzt doch jetzt da oben im Rathaus – könntet ihr nicht mal …“. Der Sperrgutbasar wurde Begegnungsstätte und politischer Kummerkasten.

Als ob das alles nicht genug wäre, beglückte sie dann auch noch tausende Kinder durch ihre unverwechselbaren Auftritte als „Piratenelse“. Im Gesicht der mittlerweile alten Frau spiegelte sich die Zuversicht der Kinder: Es war voller Lebensfreude, Neugierde und Herzlichkeit.

Im Geschichtsbuch ihrer Heimatstadt und im Gedächtnis ihrer Mitmenschen hat sich diese beindruckende Frau einen festen Platz erworben.

Wir, die wir sie erleben durften, danken Usche Meuche für ihr großartiges Lebenswerk.