Leserbrief 20.05.2015 zur Schließung der Geburtshilfe in Wyk

Leserbrief Geburtshilfe als pdf

Manfred Hinrichsen
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25938 Wyk auf Föhr
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20.9.2015

 

An die Redaktion des Inselboten

Leserbrief zur Schließung der Geburtshilfe in Wyk
erschienen am 22.9.15:
„Rücksichtslos durchgepeitscht“

 

Zur Schließung der Geburtshilfe in WykAmtsgericht, Berufsschule, Postämter, Sparkassenfilialen, Wasserschutzpolizei – und nun also die Geburtshilfe als jüngstes Insel-Opfer zentralistischer Technokraten. Wer muss als nächstes dran glauben? Vielleicht die Inselklinik insgesamt? Die könnte man doch in einem ersten Schritt zu einer Tagesklinik degradieren. Oder die Oberstufe des Gymnasiums? Könnten die nicht nach Niebüll pendeln?

In Labors, Büros und Kanzleien werden Richtlinien, Mindeststandards und Grenzwerte zunächst erfunden und dann rücksichtslos in der Realwelt durchgepeitscht, oftmals aber nicht, um wirklich notwendige Standards zu schaffen, sondern um möglichst hohe Hürden zu errichten. Darüber sollen dann jene stolpern, die im Rationalisierung-Parcours nicht mehr mithalten können. Die unmittelbaren Opfer bekommen anfangs noch ein paar Streicheleinheiten, wie toll sie doch gearbeitet hätten – aber leider: Die „normative Kraft des Faktischen“.

Eine der wichtigsten Fragen in der Politik lautet: Cui bono? Wem nützt dieser Kahlschlag bei kleinen aber bürgernahen Einrichtungen? Zunächst stabilisiert er die nächst größeren Einrichtungen, welche die kleinen schlucken können – aber nur so lange, bis sie selbst von noch größeren Haien gefressen werden. Mag sein, dass ein ökonomischer Mehrwert dabei herauskommt. Aber Menschlichkeit, Nähe und Kommunikation in kleinen Einheiten bleiben auf der Strecke.

Was machten im konkreten Fall eigentlich jene Politiker(innen), die ihre Posten zum Wohle der Gesellschaft bekommen haben? Dieter Harrsen vergoss als Landrat Krokodilstränen über die Wyker Geburtshilfe, entschied aber dennoch gegen sie, schließlich ist er ja auch Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Nordfriesland – und damit pro Kahlschlag. Und unser Bürgermeister? Paul Raffelhüschen ist zugleich Kreistagsabgeordneter. Daher hätte man im öffentlichen Teil der jüngsten Kreistagssitzung von ihm eine flammende Rede für unsere Belange und gegen weitere Standortverschlechterungen erwarten können. Aber weit gefehlt – es gab von Herrn Raffelhüschen nur beredtes Schweigen.

Manfred Hinrichsen, Wyk
Bündnis 90/Die Grünen